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am 18. September

Bitte 1 x Oberrohrbach und zurück

Doris Kampas - Plötzlich war sie da – die Herausforderung für den Sommer. Nach zahlreichen, kostspieligen Werkstattbesuchen gab unser Auto etwas unerwartet den Geist auf.

Also wagten wir das Experiment, als Familie einen Sommer in Oberrohrbach ohne Auto zu verbringen. Hier einige ausgewählte Erfahrungen:

Zur Arbeit fahren

Mein Büro ist in Korneuburg – gegenüber dem Baumarkt Fetter. Dank E-Bike gelingt die Fahrt über den Schinterberg schon mal ganz gut. Spannend wird die Laaer Straße – genauer gesagt nach dem Sportplatz in Korneuburg. Denn genau hier beginnt wieder das Gemeindegebiet Leobendorf - und der Radweg endet! Insbesondere die knapp vorbeidüsenden LKW´s sorgen täglich für ein mulmiges Gefühl. Die Fahrtwinde können einen schon mal ins Straucheln bringen. Mit Hilfe einer gelben Warnweste hoffe ich zumindest immer wahrgenommen zu werden.

Auf der Suche nach einer sichereren Ausweichroute werde ich in Google Maps – vermeintlich - fündig. Denn hinter der Firma Kwizda führt ein befestigter Weg entlang der S1 bis zum Jomo. Dort könnte ich direkt auf den Radweg übersetzen. Gesagt – getan, doch schon nach 5 Minuten Fahrt stehe ich vor einem verschlossenen Schranken. Wem gehört der Weg: der Firma Kwizda, der Asfinag oder der Gemeinde Leobendorf? Warum ist er für Fußgänger und Radfahrer gesperrt?



​​Die Mittagspause

Für eine kurze Pause bieten sich der Billa in Tresdorf oder das Lokal im Gewerbegebiet in geschätzten 150 Meter Luftlinie Entfernung an. Allerdings: der einzige Weg führt über den S1 Kreisverkehr – und der ist zu Fuß bzw. per Rad wohl nur unter Lebensgefahr passierbar. Also bleibt entweder die – unangenehme – Fahrt entlang der Laaer Straße Richtung Korneuburg oder ich nehme direkt eine Jause ins Büro mit.

Eine Frage, die ich mir allerdings jetzt stelle: wie kommen die Tresdorfer mit dem Rad nach Korneuburg? Auf die wurde beim Bau der Autobahn vollkommen vergessen.   

Mit dem Zug nach Wien​​


​Auch hier ist für die Fahrt zum Bahnhof Leobendorf das Fahrrad die Wahl Nummer 1. Zumindest eine ganze Woche. Denn genau so lange dauerte es, bis der Vandalismus zuschlägt. Das aufgebrochene Schloss liegt neben dem Rad, beim Reifen ist die Luft ausgelassen und das Ventil rausgerissen. Das war’s mit dem Jugendfahrrad.  

​Der Fahrradkeller beim Bahnhof Leobendorf

Fürs sichere Verstauen des Rades bietet sich der Radkeller an. Hier kann man bei der Gemeinde Leobendorf zum kleinen Preis einen Platz mieten und bekommt einen Schlüssel für den Zugang. Doch so einfach wie gedacht, klappt es mit der Unterbringung des Rades leider nicht. Der Zugang ist eng und steil und vor der Kellertüre, steht man vor zwei Fragen: 1. wie hält man die schwere Kellertüre mit der einen Hand auf und 2. wie bringt man mit der anderen Hand das Rad und sich selbst durch den schmalen Eingang? Eine Möglichkeit zur Fixierung der Türe wäre ein toller Service – ein einfacher Keil würde schon reichen.  

​Einkaufen

Größere Einkäufe sind wahrlich ein Dilemma. Kleinigkeiten finden auf dem Rad Platz, doch wie geht das z.B. mit Katzenfutter oder Klopapier? Richtig: Online Shopping! Allerdings: Frischwaren sind mit einem gewissen Risiko verbunden. Obst und Gemüse kommen vom Billa Online Shopping öfters etwas angegammelt daher und so mancher Aufstrich hat das Ablaufdatum schon überschritten. Milch, Joghurt und Brot können wir zum Glück beim fahrende Bäcker Mayer direkt kaufen – und während des Sommers gibt’s im Garten genug Obst und Gemüse. Dieses Jahr zumindest fast täglich Fisolen J.  

​Autobus und IST Mobil

Da in den Ferien so gut wie keine Busse von und nach Oberrohrbach fahren, setzen wir aufs IST Mobil. Das ist leider eine enorme Enttäuschung und in den meisten Situationen unbrauchbar.

Fahrt zum Bahnhof Korneuburg: nur bis zur Dabschkaserne, dort Umstieg in den Stadtbus mit Weiterfahrt bis zum Bahnhof. Mit Wartezeiten kann das schon mal 45 Minuten dauern.

Spontanfahrten, Freizeitfahrten: unter Wartezeiten von 2-3 Stunden sind diese nicht möglich – und da muss man schon Glück haben.

Fahrten innerhalb des Bezirkes Korneuburg: diese gestalten sich besonders kurios. Das IST Mobil bringt uns zum nächsten Öffi, dort müssen wir 2 oder 3 x umsteigen, um für die letzte Strecke wieder vom IST Mobil mitgenommen zu werden. Ist Mobil Taxler erzählen uns, dass sie leer nebenher fahren, um den Fahrgast für die letzte Strecke wieder mitzunehmen. Für diese Fahrt bekommt der Taxler kein Geld, der Fahrgast zahlt hingegen 2 x IST Mobil und zusätzlich den Preis für die Öffis.– das kann schon mal zu Kosten von 12,- € und mehr führen. Für eine Person! Zudem dauert die Fahrt innerhalb des Bezirkes manchmal eine Stunde und mehr. V.a. für Fahrten zum Jugendtraining unbrauchbar.

Fazit: Wenn man das IST Mobil umbringen will – dann macht man es so!  

Zum Schluss

Solange das Wetter passt und man körperlich soweit gesund ist, kann man auch in Oberrohrbach eine Zeitlang ohne Auto leben. Die Einschränkungen beginnen bei größeren Einkäufen (z.B. Baumarktware), bei Krankheit (zum Arzt/ins Spital fahren!), in der Freizeit und vor allem für Kinder und Jugendliche. Das IST Mobil – teuer mit Steuergeldern finanziert - hat sich leider als vollkommen unbrauchbar erwiesen.

Gute Ergänzungen wären – neben einem brauchbaren öffentlichen Verkehr - eine Mitfahrbörse oder ein Car-Sharing Auto.